Montag, 11. Juli 2011

Wildpflanzen Küche für den Wanderer

Jahrtausendelang war das Sammeln und der Verzehr von Wildkräutern für den Menschen alltäglich.Wildkräuter waren Nahrung und Medizin zugleich. Manch wild wachsende Pflanze zeigt ihre heilende Wirkung nicht nur im Tee, wo wir sie ggf. heute noch unbewusst zu uns nehmen, sondern auch im täglichen Essen. Dieses Wissen um die Wildkräuter ist in den letzten Jahrzehnten durch die Industrialisierung der Landwirtschaft leider in Vergessenheit geraten.

Je mehr jedoch der Mensch wieder nach biologischem schmackhaften Gemüse verlangt, drängt auch das Wissen um die Vielfältigkeit der Wildkräuter in das Bewusstsein zurück. Wer sich privat für die Wildkräuterküche interessiert, nimmt an Wildkräuterwanderungen teil, die meist von fachkundigen Frauen durchgeführt werden. Eine Sammlung von Bildungsstätten findet man hier: http://www.essbare-wildpflanzen.de/essbare-wildpflanzen-6.html Auch Spitzenköche haben die Wildkräuter für sich entdeckt und bringen damit neue Akzente in die Küche.

Wer als Wanderer durch Berge und Wälder streift, versorgt sich in der Regel mit Fertiggerichten, tafelt in Hütten oder am Abend im Restaurant. Welch neue Komponente und Qualität kann eine Wanderung jedoch bekommen, wenn man seinen Blick nicht nur in die Ferne schweifen lässt, sondern die Pflanzenwelt als Gemüsegarten betrachtet, der eine Erweiterung der Outdoor Küche darstellen kann. „Ist diese Pflanze essbar und eine Bereicherung für das Abendbrot ? “ - unter diesem Aspekt kann man auch Kindern die Wanderung schmackhaft machen.

Auch wenn Walderdbeeren und Blaubeeren natürlich keine Wildkräuter sind, so sind sie bei Wanderungen im Juni, Juli und August bevorzugte Wegzehrung für Kinder und Erwachsene. Und schon ist der Sammeltrieb im Menschen geweckt. Wenn nun am Abend Spaghetti auf dem Kochplan stehen, dann ist Bärlauch das richtige Kraut hierzu.Die Blätter lassen sich feingeschnitten unter die Nudeln mengen und geben dem Essen einen leckeren Knoblauch Geschmack. Diese wildwachsende Pflanze ist mittlerweile so populär, dass sie auch auf Bauernmärkten frisch oder als Pesto verarbeitet gekauft werden kann.

Im Herbst kann man Glück haben und auf Topinambur stossen……mein Lieblingsgemüse, welches gebacken in Alufolie oder in Fett gebraten nussig- süsslich schmeckt. Unterwegs knabbere ich gerne am Klee. Der Geschmack der Blätter ist erfrischend. Die roten Blüten können von Juni bis September geerntet über Salate und Gemüsegerichte gestreut werden.
Ein Kraut was vornehmlich Heilwirkung hat und wichtig für den Wanderer ist, ist der wohl hinlänglich bekannte Spitzwegerich. Neben der inneren Anwendung bei Atemwegs Erkrankungen oder Entzündungen der Mundschleimhaut, heilt der Spitzwegerich hervorragend und schnell kleine Verletzungen, Insektenstiche und Blasen, die man sich beim Wandern gelaufen hat. Ich war auf einer Wanderung am Aletschgletscher echt beeindruckt, wie schnell nach Auflegen von zerdrücktem Spitzwegerich eine Blase an der Ferse verschwand, während ich munter weiter lief. Verantwortlich dafür sind entzündungshemmende und die Haut zusammenziehende Wirkstoffe, die zudem antibakteriell wirken.
Die Liste der essbaren Wildpflanzen ist unendlich und soll in weiteren Einzelbeiträgen lose fortgesetzt werden.


Mein Buchtipp zum Thema:“Essbare Wildpflanzen“ - 200 Arten bestimmen und verwenden. Erschienen im Schweizer AT Verlag ISBN: 978-3-03800-335-9 .

Für eine schnelle Bestimmung sind die Pflanzen in diesem Buch nach den Umrissen ihrer Blätter sortiert. Die Bilder sind recht gut, die Verwendungshinweise für Blätter, Blüten, Knospen und Wurzeln sehr gut beschrieben. Der Sammler muss seine eigene Kreativität bemühen um schmackhafte Gerichte zu kreieren, denn Rezepte würden den Rahmen des Buches sprengen. Im Anhang befindet sich eine Übersichtstabelle mit den Erntezeiten der jeweiligen Pflanzenteile. Wer in dass Buch vorab schauen möchte, bekommt auf der Webseite des AT Verlags eine Vorschau angezeigt, die man durchblättern kann.

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