Wandern in der „Desert des Agriates“ auf Korsika
Wandern auf Korsika ist auch im Sommer durchaus möglich, wobei man seine Touren auf die Küstenregion- wo steter Wind weht - oder ins Hochgebirge verlegen sollte. Wer an der Küste entlang wandert, findet Abwechslung im erfrischenden Meer. Dort, wo Sandstrände auf der Landkarte eingezeichnet sind, sollte man selbst in der noch so abgelegensten Ecke nicht erwarten, dass man diese für sich alleine hat. Der Motorboot Chartertourismus hat auch auf Korsika um sich gegriffen und manche Sandbucht ist zumindest in der Hochsaison mit bis zu 30 Motorbooten und Yachten vollgestellt. Wer gerne taucht und felsige Liegeplätze bevorzugt, kann sich seines einsamen Platzes aber immer noch sicher sein.
Die hier mit dem MONOWALKER Wanderanhänger durchgeführte Tour durch die „Desert des Agriates“ und entlang der Küste der „Desert des Agriates“ sollte im Sommer mit mindestens 5 Liter Wasser pro Wandertag und Person durchgeführt werden, plus Wasser ggf. zum Kochen. Wird der Wasservorrat auf dem unteren Ende des Monowalker platziert, so fällt die darüber angeordnete leichte Zeltausrüstung nicht arg ins Gewicht. Ausgangspunkt ist St. Florent. Diesen Ort kann man für meinen Geschmack links liegen lassen, da er wenig Charme versprüht. Per Anhalter lässt man sich von St. Florent auf der D81 in Richtung L‘ Iles- Rousse mitnehmen und steigt nach ca. 15 min an der Abfahrt zum Plage de Saleccia aus. Der von der Hauptstrasse abzweigende Weg ist als Offroad Piste zu bezeichnen, aber auch als Wanderweg mit 3.5 Stunden Gehzeit offiziell ausgewiesen. Sie ist durchaus mit Jeeps, SUV`s und VW Bussen gut befahrbar und wird in den Morgen- und Abendstunden von Tagesbesuchern gut frequentiert ( ca. 50 -70 Autos am Tag), die zum Saleccia Strand wollen.
Wer die Wanderung hier nicht beginnen will, kann auch per Autostopp ggf. zum Saleccia Strand mitgenommen werden und dort die Küstenwanderung beginnen. Eine weitere Variante ist die recht kostspielige Fahrt per Schiff von St. Florent zum Saleccia Strand
Die Wanderung durch die Desert des Agriates ist einfach, da man sich die ganze Zeit auf der Fahrpiste bewegt. Die paar Autos, die einen überholen, verlangsamen in der Regel die Fahrt, sodass man keine Staublunge bekommt. Besonders schön ist es, wenn man zum späten Nachmittag startet ( 17 Uhr) und in den Sonnenuntergang hinein läuft, der die Berge und Felsformationen rot-organge glühen lässt. Die Desert des Agriates besteht aus niedrig wachsendem Buschwerk und hat ihren eigenen Charme. Die dreistündige Wanderung hat keine spektakulären Höhepunkte, ausser dass man sich immer wieder darüber amüsiert, mit welchem Schneckentempo Autos an einem vorbeikriechen, um auf der mit Steinen und Felsen verblockten Piste keinen Platten zu bekommen oder aufzusetzen.
Unterwegs begegnet man Eidechsen, dürren Kühen und ab und an einem Greifvogel. Nach 12 km erreicht man den Plage de Saleccia. Dieser knapp 1 km lange Sandstrand ist meiner Erkenntnis nach einzigartig im Nordwesten Korsikas. Am Cap Corse fanden wir einige Strände stark verschmutzt mit Seegras vor, ansonsten befinden sich im Nordwesten Kiesstrände oder Felsküste . Am Salleccia Strand kommt Karibikfeeling auf. Das Wasser ist klar und türkisblau. Das hat sich natürlich rumgesprochen, doch die Anzahl der Yachten und Tagesbesucher verteilt sich recht angenehm in der Bucht.
Wer hier ein paar Tage bleiben möchte, dem sei der angrenzende, sehr schön gelegene www.camping –uparadisu.com zu empfehlen. Er wird mehrheitlich von alternativ angehauchten Italienern und Franzosen frequentiert. Es gibt terrassenförmig angelegte Zeltplätze und nur wenige Stellplätze für VW Busse. Leider ist eine Voranmeldung nicht möglich (weder telefonisch, noch am Tag vorher um am nächsten Tag einen Platz zu bekommen) , sodass man durchaus Pech haben kann, keinen der begehrten Zeltplätze zu ergattern. Zur Not bleibt man eine Nacht am Strand. Wer keinen Platz am Nachmittag oder Abend bekommen hat, sollte am folgenden Morgen ab 8 Uhr über den Campingplatz laufen und schauen wer gerade seine Sachen packt und diesen Platz in Beschlag nehmen. Hier gilt „the early bird catches the worm“. Trotz der Beliebtheit des Camping Uparadisu ist die Atmosphäre sehr entspannt und recht ruhig. Es gibt keine Animation, keinen Swimmingpool, kein Internet und keinen Strom für die Zeltplätze. So schön der Campingplatz ist, so sind die Sanitären Anlagen eher als einfach zu bezeichnen. Dafür ist das Restaurant hervorragend aber teuer (Abendessen 20 Euro) und die Atmosphäre beim Abendessen familiär. Man isst an langen Tafeln. Die Preise im sehr kleinen Markt sind zivil, sodass man mit einer vierköpfigen Familie durchaus mit 20-25 Euro am Tag für Lebensmittel durchkommt. Wer mit dem Auto anreist und länger bleiben will ist gut beraten Grundnahrungsmittel dabei zu haben, ansonsten kann sich der Wanderer hier aber gut versorgen ohne arm zu werden. Mit 26 Euro für 2 Erw. /2 Kinder ( die als Erwachsene zählen) und zwei Zelten ist der Platz in der Hauptsaison sehr günstig.
Um die Wanderung an der Küste nach St. Florent fortzusetzen, läuft man den Saleccia Strand bis zu seinem östlichen Ende. Dort beginnt der gut begehbare Wanderweg. Das folgende Teilstück bis zum Plage de Loto ist sehr angenehm zu laufen und ohne nennenswerte Steigungen. Der Blick auf ankernde Yachten, türkisblaues Meer und ein steter Wind machen diese Strecke unvergesslich. Der Plage de Loto ist kleiner als der Plage de Saleccia und wird regelmässig von Zubringerbooten von St.Florent angefahren.
Man läuft am Strand entlang und stösst auch hier an dessen Ende wieder auf den Wanderweg. An der Punta Mortella geht es ein Stück steil bergauf und im folgenden bewegt sich der Weg an der Küste immer wieder mal bergauf und bergab. Abstecher zu kleinen Buchten sind immer wieder möglich.
Zum Ende der gut 5-6 stündigen Wanderung hat man St. Florent stets im Blick. Der Weg führt nun für eine ganze Weile ausgeschildert als „Chemin Littoral“ unterhalb eines riesigen parkähnlichen Privatgrundstücks entlang, welches man leider nicht durchschreiten darf.
Erreicht man St. Florent auf diese Weise, so kann man kurz hinter dem Ende des Wanderwegs sich auf einem der drei Campingplätze einquartieren und eine erfrischende Dusche nach dieser Wanderung geniessen.
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